Bob Dylan – Together Through Life
Die pure Lust am Leben?
Ein unüberhörbares ” Das war ja klar!” wird dem Schreiber dieses Beitrags entgegenhallen. Und das völlig zurecht. Wenn man erstens eine Magisterarbeit über Bob Dylan und seine Rezeption von Diskursen der amerikanischen Romantik geschrieben hat, zweitens nicht müde wird, dem eigenen Freundeskreis Dylans Bedeutung für das nahezu komplette Spektrum moderner Rockmusik vorzubeten und drittens dank “The Times They Are A Changing” wie hypnotisiert dem Vorspann von Zack Snyers “Watchmen”-Verfilmung folgte, ist die Rezension einer Dylan-Platte zur Plattenmüsli-Premiere allererste Bürgerpflicht.
Die Auswahl der zu rezensierenden Platte ist an dieser Stelle und auch in meinen zukünftigen Beiträgen also weder Zufall noch göttliche Eingebung. Im Gegenteil. Wir alle haben unsere Lieblingsband, haben Bands, die so gar nicht den Weg in unseren Gehögang finden. Dem Leser wird hier und auch in Zukunft also nicht vorgegaukelt, durch irgendein unerklärliches und womöglich gar transzendetes Erlebnis den Weg zu einer Platte gefunden zu haben. Genausowenig finden Platten aktiv und gewollt einen Weg zum Rezesenten. Nein, wir wählen die Scheiben gewollt aus- und das hat herzlich wenig mit etwaigen spirituellen Mächten zu tun. Punkt.
Er ist nun 67 Jahre alt, macht seit fast 50 Jahren Musik, hat tausende Konzerte gespielt. Robert Zimmermann alias Bob Dylan kämen sicherlich genügend Menschen, Orte oder Begebenheiten in den Sinn, über die er ein reifes und melacholisches Alterwerk schreiben könnte. Levon Helm hats getan, Neil Diamond und Johnny Cash sowieso. Der nahende Tod ließ und lässt die Aufnahmen dieser großen Musiker stets aufs Neue wie die intimen letzten Worte auf dem Sterbebett klingen. Und Dylan? Was macht der? Schert sich einen Dreck um Tod und Teufel. Der eine wird ignoriert, der andere persifliert. Dylan wendet sich dem Trog des Lebens zu, nimmt einen übergroßen Schluck und lacht alles und jedem ins Gesicht, der im die mexikanische Party versauen will. Wenn hinter dem Jetzt nichts mehr auf einen wartet (“Beyond Here Lies Nothing”), warum soll man dann nicht auch bis zum Letzten tanzen (“Shake Shake Mama”)?! Dylan rockt mit seiner Band kraftvoll und kompromisslos- je mehr dabei mitmachen desto besser! Das Akkordeon schluchtzt, die Gitarre beißt und der Bass treibt.
Doch Dylan kann es auch leise. In “If You Ever Go To Houston” glaube ich vielleicht den dominanten Topos in Dylans Schaffen zu entdecken: die Transzendenz in der Immanenz. Gerade weil der Tod allgegenwärtig ist und die Zerstörung zu jedwedem Schaffensprozess gehört, besingt ihn Dylan nicht explizit. Was bleibt also für Dylan und den Hörer am Ende eines grandiosen “Together Through Life”? Wohl nur die Einsicht eines verlassenen, aber dennoch stolzen Macbeth des William Shakespeare: “Life’s but a walking shadow. [...] A tale told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing.”
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